Erfahrungen als NLP-Trainer, Therapeut, Coach

Gemeinsam in Beziehungen wachsen

PartnerschaftViele Menschen, die in meiner Praxis Unterstützung suchen, leiden unter Enttäuschungen in Bezug auf frühere misslungene Liebesbeziehungen bzw. Freundschaften und daraus folgend unter Rückzug und Vereinsamung. Einerseits sehnen sie sich nach einem liebevollen Partner, einem gemeinsamen Heim, einem zuverlässigen Freundeskreis, andererseits wollen sie Unabhängigkeit und emotionale Kontrolle behalten, weil Angst vor Hingabe, Vertrauensmissbrauch und Verletztwerden in ihrem Leben großen Raum eingenommen hat.

Die zentralen Fragen in der gemeinsamen therapeutischen Arbeit stellen sich häufig wie folgt dar:

• Wie finde ich den geeigneten Partner/Freundeskreis, der zu mir passt?
• Kann ich einem Anderen jemals wieder voll vertrauen?
• Wie gehe ich mit Konflikten in der Partnerschaft/Freundschaft um?
• Welche Möglichkeiten gibt es, Unterschiede zu akzeptieren?
• Können Menschen trotz großer Unterschiede zueinander finden?
• Wann und wieviel darf/muss ich mich abgrenzen?
• Sollte ich überhaupt nochmal so einlassen oder doch lieber für mich bleiben?

Hinsichtlich einer funktionierenden Beziehung zu anderen Menschen halte ich folgende Gedanken für grundlegend:

Ähnlich wie beim individuellen Fingerabdruck verfügt auch jeder Mensch über sein subjektiv psychisches Lebens- und Verhaltenskonzept. Und das hat folgenden Hintergrund: Jeden Mensch verbinden seine Sinne sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken mit der Welt. Wir alle bilden über diese 5 Sinne ein subjektives Modell der Welt. Jedes Modell basiert grundlegend auf Selektion und Reduktion (sonst wäre es kein Modell, sondern die Wirklichkeit). Folge davon ist, daß es genauso viele Selbstkonzepte wie Menschen gibt, weil jeder auf seine ganz eigene Art und Weise die Welt erlebt, aufnimmt und abspeichert und das sein Leben lang.

Wenn wir anderen Menschen begegnen, wird es folglich immer zu den Erkenntnissen kommen, daß manche Modelle anderer Menschen näher oder weiter entfernt zu dem unseren Modell sind. Einige entscheiden sich, Beziehungen nur mit Menschen aufzunehmen, derer Selbstkonzept dem eigenen sehr ähnlich ist, andere fühlen sich eher von Menschen angezogen, die anders denken und handeln. Das erstere hat eher den Nachteil der Langeweile sowie geringen Erfahrungszuwachs, das zweite das Risiko der Unberechenbarkeit sowie ein hohes Konfliktpotenzial.

Da in der Regel das eigene Modell mit der Wirklichkeit (Wahrheit) verwechselt wird, sind Konflikte sowieso zwingend vorprogrammiert. Leben und Konflikt gehören zusammen. Indem gemeinsame Lösungen erarbeitet werden, wachsen Menschen zusammen. Verschiedenartigkeit und Gegensätzlichkeit muss nicht zwangsläufig zu Frustration, Intoleranz bzw. Ablehnung/Hass führen. Pluralismus hat schon immer verschiedene Blickwinkel eröffnet und Möglichkeiten zu flexiblem Denken und alternativen Herangehensweisen geschaffen.

Wichtig ist es, die Fähigkeit zu schulen, Gemeinsamkeiten zu suchen, zu erkennen und zu betonen anstatt zu polarisieren und projezieren. Die setzt jedoch die Atmosphäre eines guten Willens hinsichtlich Gemeinsamkeit und Kooperation voraus. Man sollte sich verdeutlichen, daß jeder Mensch in der Tiefe seiner Person Beziehung und Zuwendung sucht. Der Mensch hat/ist ein soziales Wesen, die Vertreibung aus dem Stamm, die Isolationshaft heute, wurden und werden als drastische Strafmaßnahmen empfunden. Sozialer Rückzug führt häufig zur Verstärkung von Depressionen und Suizidtendenzen.

Lernen/Wissenserweiterung/Weiterentwicklung braucht in der Regel einen Anstoß von außen und zwar über das Neue, Fremde, Ungewohnte. Allerdings will das auch ausgehalten werden. Persönliches Wachstum hat seinen Preis: Ich muss mich für Neues öffnen und Bekanntes in Frage stellen, das tut manchmal weh. Das Erkennen der eigenen blinden Flecken sowie die Bereitschaft mich selbst in Frage zu stellen und neue Denk- und Verhaltensweisen zuzulassen hat in der Lösungsfindung und Konsensfähigkeit einen hohen Stellenwert.

Neben all den Verhaltensweisen, die Gemeinsamkeiten zu betonen und Brücken zu anderen Menschen zu bauen, ist es erforderlich, im Leben auch eine Form des Konfliktmanagement zu entwickeln und beginnende Konflikte möglichst früh anzusprechen. Wer zu viel unter den Teppich kehrt wird eines Tages umfassenden Hausputz machen müssen. Zur Konfliktlösung bedarf es der Fähigkeit zur Selbstreflexion und Infragestellung persönlicher Lebensanschauungen und Werteeinstellungen. Die Fähigkeit zur Kooperation setzt die Grundhaltung des Gelten und Geltenlassen sowie Flexibilität und Geduld voraus, so können sich tragfähige Lösungen entwickeln, die die Beteiligten motivieren, Verantwortung für gemeinsame Spielregeln zu übernehmen.

Hin und wieder ist es ratsam, sich etwas zurückzunehmen. Scheinbare Schwierigkeiten verwandeln sich in tatsächliche Schwierigkeiten, wenn wir uns zu übertriebenen Reaktionen einladen lassen und in Eskalation hineinsteigern. Grundsätzlich macht es Sinn, zu überprüfen, ob wirklich jede Aktion, die uns zu betreffen scheint, eine Reaktion unsererseits notwendig macht. Häufig wird zu schnell reagiert. Unbedacht sagen und schreiben wir Dinge, die uns in Verwicklungen und Schwierigkeiten hineinschlittern lassen. Wenn jemand das Feuer eines Konfliktes legt, müssen wir nicht noch Öl hinzugießen.

Unnötiges, übertriebenes Engagement und daraus folgend unnötige und übertriebene Reaktionen haben meist die eigene Überempfindlichkeit zur Ursache. Viele Menschen leiden unter einem verletzten Selbstwertgefühl und reagierten instinktiv aus alten Verletztheiten heraus, die schon lange vorüber sind, jedoch noch die Vorstellungen unbewusst belasten.

Wir verschwenden Zeit und Energie, wenn wir uns in jeden Konflikt einschalten, der uns angetragen, jede Last aufladen und jede Verantwortung übernehmen, die uns aufgenötigt wird/wir dankbar annehmen.

Häufig nehmen wir uns selbst zu wichtig und bedeutend. Wir übersehen, daß wir nicht die Probleme aller Menschen lösen und uns in jede Krise stürzen müssen. Unnötig konfliktverstärkende Reaktionen, destruktive Gefühlsregungen und unkontrollierte Gefühlsentladungen schaden uns selbst am meisten. Eine mögliche Bewältigung vieler Einladungen zum Konflikt besteht in der sanften Kunst des Gewährenlassens. Wir müssen nicht alles annehmen, was uns angeboten wird. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal, seine eigene Verantwortung. Wir sind nicht die Manager des Universums; die Welt mit all ihren Ausprägungen menschlichen Verhaltens war vor uns da.

Je mehr wir bei uns selbst ankommen (sich seiner selbst bewusst werden), desto besser können wir tragfähige Beziehungen eingehen. Je weniger wir unsere Probleme auf den Partner projizieren, sondern selbst Verantwortung für uns und unser Leben übernehmen, desto weniger Konfliktpotenzial bringen wir in unsere Beziehungen ein. Je mehr wir in die Lage kommen, mit einer grundlegende Haltung von Gelassenheit und Flexibilität, anstelle von dogmatischer Rechthaberei auf die Dinge des Lebens zuzugehen, desto bessere Konfliktbewältigungen sind möglich; wir können uns angstfreier einlassen und Schritt für Schritt Sicherheit und Vertrauen im Miteinander vertiefen.